Ottilie Stuttgart
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29/11/2023
Mc Carthy Hills im Sonnenuntergang.
Hier leben wir.
Die untergehende Sonne war heute besonders mächtig. Ein unglaubliches Schauspiel und kann nicht fotografiert werden, da zuviel direktes Licht.
Aber diesen schönen Moment konnte ich einfangen.
Wow, oder.
26/12/2022
Das heiße Eisen
Rassismus ist für mich ein heißes Eisen. Darüber zu schreiben ist nicht einfach für mich. Zum einen möchte ich es "richtig" machen, zum anderen ist es ein sehr persönliches Thema für mich. In meiner Herkunftsfamilie ist Rassismus allgegenwärtig. Es gibt kein Treffen, bei dem ich mir nicht eindeutige Sätze und Vorurteile anhören muss. Das war schon immer so.
Rassismus ist mir dann, ausser oben genannt, weil ich darum weiss, immer dann begegnet, wenn ich nicht damit gerechnet habe. Diese gemeinen Zwischentöne, dieses selbstverständliche Aburteilen, diese Ignoranz, diese Gefühlskälte.
Ich traf in Accra ein Paar, das seit 35 Jahren durch Afrika reist. Und diese Leute hatten nur verachtende Worte über Bootsflüchtlinge und Afrikaner im Allgemeinen übrig.
Der Arzt in der Tropensprechstunde, die nette Kollegin, die Geflüchtete unterrichtet und dumme Bemerkungen macht. Ehemalige Kundinnen, die mir offen ins Gesicht sagen, dass meine Ehe scheitern wird.
Süsse, weltoffene Traveler, die mich Diskriminierendes über meinem Mann fragen. Der Nachbar im Dorf, der etwas ganz Übles über Migranten sagt, als wir ihn beim Spaziergang treffen. Beim Ausflug im Besen beim Maultaschen essen wird gehetzt, dass es selbst dem Teufel graust.
Und das passiert so ganz nebenbei und zeigt doch, wie stark wir alle geprägt sind.
Wir alle. Was Du etwa auch?
Ja, ich auch.
Ich habe vor ein paar Jahren erkannt, dass ich selbst in einem rassistischen System sozialisiert bin. Dadurch habe ich manches besser verstanden. Davor hatte ich eine klare Abwehrhaltung " Nein, ich doch nicht. Meine Gedanken sind rein". Nein, leider auch nicht.
Was kann man also tun?
Dazu im nächsten Post mehr.
03/10/2022
Ghanalife
Leben in einer anderen Kultur. Manchmal betrachte ich mich von aussen, während ich die Strasse entlang laufe oder etwas einkaufe.
In Accra zu leben bedeutet für mich immer aufzufallen. In meiner Wohngegend bin ich die einzige Weisse. Ja, genau. Die einzige. Mein Mann streitet das ab, es gäbe hier noch andere Europäer. Aber wo sind die? Ich habe sie jedenfalls noch nie hier gesehen.
Wir wohnen am Rande Accras mit Blick auf die Salzfelder, in denen sich so unglaublich schön der Sonnenuntergang spiegeln kann.
Ich meine das jetzt nicht negativ, es ist einfach so, wie es ist.
Neulich trafen wir einen Nachbar, der mir spontan zwei Kokosnüsse geschenkt hat und sich sehr an uns und den Kindern freute. Er war neugierig mit einer Weißen zu sprechen.
Eine nette Begegnung. Ein gutes Gefühl.
In der Sadtmitte wimmelt es nur so von Weissen und es gibt eine grosse arabische Community und einige Chinesen.
Manchmal winke ich jemandem zu, nur weil ich mich freue einen Europäer zu sehen.
In der Innenstadt werde ich bei jedem Besuch nach Geld gefragt. Der Rekord waren neulich sieben Leute an einem Abend. Sobald ich aus dem Auto steige, kommt jemand. "Auntie, auntie. Ich brauche Essen, Wasser, Geld für meine Kinder/Enkel, bitte, bitte".
Sofort fühle ich mich wieder fremd, obwohl mein Mann genauso gefragt wird, weil er ja mit mir gesehen wird. Oder die Leute sagen zu ihm "ein gesegnetes Leben hast du mit dieser Weissen". Dann lachen wir manchmal, aber wenn es nett gemeint ist, ist es eine schöne Aussage.
Generell sind die Leute alle freundlich und respektvoll. Daher fühle ich mich meistens pudelwohl, aber es gibt immer diese Momente, da fühle ich mich soooo so weiss. Weisser als eine frisch gestrichene Wand.
Das nagt an mir, mal mehr mal weniger.
Damit umzugehen gehört dazu.
Ende.
Ok. Dann wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende. Seid froh, macht es euch gemütlich.
Alles Liebe vom anderen Ende der Welt, Lydia
08/09/2022
Wie ich nach Ghana kam Teil IV
Uff. Letzter Teil dieser Reise. Danke, fürs bis hierher lesen.
Ich halte mich heute kurz. Diese Reise endet für mich mit einem happy end. Was verstehe ich darunter? Lass mich erzählen.
Nachdem wir mit dem Mercedesbussen durch wirklich ganz Ghana gefahren waren, verbrachten wir die letzten Tage wieder im Headquarter der NGO in Accra.
Es hieß bald Anschied nehmen von den Leuten, mit denen wir zusammen gearbeitet hatten, mit denen wir Zement und Sand für Mauern angerührt hatten. Mit denen wir zig Wände gestrichen und ganze Schulen und Kindergärten im neuen Glanz zurück gelassen hatten.
Die Organisation plant eine Abschiedsfeier auf der Dachterasse. Die Idee des Leiters A. ist es, dass wir Deutschen unter uns bleiben.
Doch hat er nicht mit unserem Widerstand gerechnet. Einige in der Gruppe stellen sich gegen A. Nicht nur ein paar, wie zu Beginn der Reise.
Also hat die Begegnung etwas bei den Mitreisenden bewirkt. A.s Ängste und Drohungen laufen ins Leere. Mit einem ihr-wisst-was-dann-passiert Blick will A. uns noch abhalten, aber wir gehen schon los und laden die Ghanaer ein.
Unsere Freunde!
Wir feiern unseren letzten Abend vereint mit ihnen und singen, essen und haben ein gemeinsames Programm.
Das ist mein persönlicher Triumph.
Und damit endet diese Geschichte. 🏝
Hast Du mal Rassismus im Alltag erlebt und wie ging es Dir damit?
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