"...Gleichermaßen grazil und kantig schlängeln sich die Songs SHED BALLETs zwischen den musikalischen Koordinaten Psychedelia, Wave und Pop. Mit treibendem, aber minimalistischen Schlagwerk, verhallter, atmosphärischer Gitarre, Orgel, süchtig machende Bassläufen und zweistimmigem Gesang morpht das Trio die Abseitigkeit eines Outsider Genres in verlorene Schöngeistigkeit.. Aber man kann ihn auch ta
nzen, in eine Choreographie bringen und damit die Metamorphose feiern. Shed bedeutet aber auch Schuppen oder Baracke. Die Vision von der Verlegung Bolschoi- bzw. Palucca-glänzender Balletthochkultur ins ländliche Scheunenreservat verspricht einen weiteren Anachronismus und Spannungseffekt. Da wird förmlich die zerbrechliche Zartheit den naturalistischen Kräften zum Fraß vorgeworfen. Eleganz atmet Vorsintflutlichkeit oder umgekehrt. Doris Riedel an der Orgel, Hannah Becker an der Gitarre und Kerstin Peupelmann am Schlagzeug nennen sich Shed Ballet und versetzen ihre Stücke mit eben jenen Wechselwirkungen, die sich vordergründig wohl mit der abwechslungsreichen jeweiligen musikalischen Vita erklären lässt. Die Schlagzeugerin Kerstin Peupelmann spielte FingerStyle Gitarre im minimal-singer-songwriter Duo Jaara mit analogsoul-Begründer Fabian Schuetze. Hannah Becker war Sängerin bei der New-Wave-Band L.A.Love. Doris Riedel beherrscht Klavier, Akkordeon, Bassgitarre und Kirchenorgel, sang und spielte Synthesizer in dem Leipziger Wave-Projekt Valis. Musikalisch trafen die drei erstmals in der Postrock Band Make New Maps (u.a. mit Jonas Wehner – Warm Graves und Florian Wienczny – Hundreds) aufeinander. Seit 2014 verbinden sich nun ihre Einflüsse in der Suche nach einem gemeinsamen musikalischen Ausdruck. Ihre Gesänge schmeicheln sich ein, wollen dich begleiten, dich berühren und rühren, wollen verführen und dir ein chronisches Lächeln auf den Mund zaubern. Hierzu schlängelt sich mal eine pastorale, mal Sonnenauf- bzw. –untergänge visualisierende Orgel über den Liebreiz-Parcours, auf dass man sich schon dabei erwischt, eventuelle Tanzfiguren zu ersinnen. Die Brechung dieser hochwohlgeborenen Grazie erreichen Shed Ballet mittels kathartisch verzerrter Gitarrenspuren und eines streng getimten, repetitiven Schlagwerks, welches zwischen Geiger-Müller-Zählrohr-Signalton und seismischer Aktivität entlangbalanciert. Shed Ballet haben all dies in ihre Stücke sortiert, was Psychedelia und vor allem Wave über die Jahrzehnte so magnetisch werden ließ. Man darf sich an die Frühzeit des Manchesteraner Factory Labels erinnern, The Cure schauen gern um die Ecke, hiesige Wave-Meilensteine wie Malaria oder Xmal Deutschland leihen Atmosphäre aus und die flirrende Pop-Versatility der seligen Cocteau Twins verwebt all diese Intarsien mit wehrlos machendem Schöngeist. Aber Shed Ballet vergruben ihre Einfluss-Schatulle mitnichten im Humus der 1980er. Ihre Musik transportiert ähnlich freshe Wave-Sphären wie wir sie von The Kills kennen. Ihre Stücke können score-haft wirken wie die von den Chromatics. Und immer wieder scheint diese überaus charmante Melancholie durch, die man so sonst nur bei Lana del Rey vermuten würde. Shed Ballet können mit ihrer Musik Weinende lachend machen, aber auch Menschen, denen vom Lachen schon der Kehlkopf schmerzt in Trauer versetzen. Sie benutzen gleichermaßen Libretto und zerknittertes Schmierblatt. Sie können Mega-City und Heuschober.