Hilf e.V.
Formen von Autismus
(Beitrag #8 aus der „Verständnis fördern“-Beitragsreihe von HILF e. V)
Früher wurden die unterschiedlichen Formen von Autismus in „frühkindlicher Autismus“, „atypisicher Autismus“ und „Asperger-Syndrom“ unterteilt.
Diese Unterteilung wird den Menschen hinter der Diagnose aber nicht gerecht, denn die Betroffenen haben verschiedene Bedürfnisse und können sich sehr voneinander unterscheiden.
Aus diesem Grund wurden bis vor einigen Jahren, unauffällige Formen von Autismus teilweise nicht erkannt (z.B. "Asperger-Syndrom"). Derzeit geht man davon aus, dass ca. 1-2 Prozent der Menschen autistisch sind.
Heute spricht man deshalb vom Autismus-Spektrum, mit leichten bis schweren Entwicklungsstörungen, meist mit Beginn in der frühen Kindheit.
In der DSM-5 (fünfte Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) wurden 2013 dazu alle Einzelkategorien zusammengefasst (Wikipedia: https://goo.gl/mb3AWw)
Erwähnenswert ist außerdem, die als Berechnungsgrundlage für Krankenkassen geltende, aber wesentlich allgemeiner gefasste, ICD-10 (Wikipedia: https://goo.gl/HzSbhS).
Für 2019 wird hier die neue und überarbeitete Fassung ICD-11 erwartet.
Über die Ursachen von Autismus gibt es zahlreiche Erklärungsansätze. Derzeit am besten belegt sind neurologische und genetische Ursachen. Das heißt, die Gehirne autistischer Menschen unterscheiden sich von denen nicht-autistischer Menschen.
Autismus ist deshalb keine Krankheit, sondern eine Wesensart.
Die immensen Kombinationsmöglichkeiten von genetischen Abweichungen und deren hochkomplexe Ursachen, gelten dabei aktuell als Begründung für die zahlreichen Ausprägungen im Autismus-Spektrum.
Abschließend sei noch gesagt, dass selbst Experten nicht sofort erkennen können, ob ein Kind autistisch ist. Eine Diagnose sollte daher nur von Fachleuten und über einen längeren Zeitraum gestellt werden.
Nächstes Thema:
Die „Verständnis fördern“-Beitragsreihe von HILF e. V.:
#9: Behandlung und Unterstützung
Spezielle Interessen
(Beitrag #7 aus der „Verständnis fördern“-Beitragsreihe von HILF e. V)
Menschen im Autismus-Spektrum haben häufig untypische Lernwege, Problemlösungen und Fähigkeitsprofile. Lernstile können sich von nicht autistischen Menschen deutlich unterscheiden und für Außenstehende schwer nachvollziehbar erscheinen.
So lernen Kinder im Autismus-Spektrum, z. B. das Lösen anspruchsvoller mathematische Rechnungen, noch bevor sie sich mit den eigentlich einfacheren und alterstypischen Aufgaben auseinandersetzen.
Viele Menschen im Autismus-Spektrum haben ein sehr leidenschaftliches Interesse an ganz speziellen Themen, bei denen sie äußerst fokussiert denken. Oft zeigt sich das bereits ab einem sehr jungen Alter.
Denkbar ist jedes Thema, sowohl eher allgemeine Gebiete, wie z. B. Kunst, Technik, Mathematik oder Tanz. Oder sehr konkrete Dinge, wie bestimmte Gegenstände oder Tiere.
Diese Themen können ein ganzes Leben lang gleichbleiben, sich aber auch plötzlich ändern.
Manche Menschen im Autismus-Spektrum arbeiten später auch in ihrem jeweiligen Interessengebiet, für andere bleibt es ein Hobby. Auf jeden Fall sind sie oft ein Schlüssel, um ein Teil der Gesellschaft zu werden.
Daher sollte man diese Interessen unbedingt ermutigen und fördern, auch wenn sie manchmal ungewöhnlich sein können.
So kann z.B. das Sammeln von Unrat und Gerümpel mit ein wenig Ermutigung ein Interesse an Recycling und Umweltschutz werden.
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Die „Verständnis fördern“-Beitragsreihe von HILF e. V.:
#8: Formen von Autismus
13.10.: Sichtbare Symptome und Verhalten im Alltag
(Beitrag #5 aus der „Verständnis fördern“-Beitragsreihe von HILF e. V)
Menschen im Autismus-Spektrum streben nach Beständigkeit. Sie halten deshalb an Abläufen und Routinen fest. Interessen und Aktivitäten sind meist begrenzt.
Typisches Verhaltensbeispiele sind:
• Es muss immer genau der gleiche Weg zur Schule genommen werden
• Verstimmung, wenn die Schlafenszeit anders als sonst ist
• Ungewöhnlich intensives Interesse an einem bestimmten Gegenstand wie z. B. einem Schlüssel oder Gummiband.
• Ordnungszwang nach bestimmten Mustern
• Intensives Interesse an bestimmten Themen, häufig Zahlen und Fakten, z.B. Auswendiglernen von Landkarten, Fahrplänen etc.
• Faszination an bestimmten Objekten, z.B. eine sich drehende Waschmaschinentrommel
Diese Verhaltensweisen hängen mit Besonderheiten in der Wahrnehmungsverarbeitung zusammen und dienen auch zur Beruhigung.
Häufige selbst-stimulierende Verhaltensweisen sind:
• Mit den Händen wedeln
• Den Oberkörper vor- und zurückschaukeln
• Sich im Kreis drehen
• Mit den Fingern schnalzen
• Sich den Kopf anstoßen
• Lichter anstarren
• Die Finger vor den Augen hin- und herbewegen
• An die Ohren klopfen
• Sich kratzen
• Gegenstände aufreihen, sie kreiseln oder drehen
• Drehende Gegenstände beobachten
• Lichtschalter umschalten
• Wörter und Geräusche wiederholen
• Atypische, repetitive Bewegungen
• Schwierigkeiten mit Fein- und/oder Grobmotorik
Häufig lassen sich einzelne Verhaltensweisen auch bei Menschen, die keine Autismus-Spektrum-Störung haben, beobachten, z. B. bei Verunsicherung oder wenn sie in Stresssituationen kommen. Diagnosen sollten deshalb immer über längeren Zeitraum und vor allem von fachkompetenten Menschen getroffen werden.
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Die „Verständnis fördern“-Beitragsreihe von HILF e. V.:
#6: Andere Wahrnehmungsverarbeitung bei Autismus
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