Angesehen 2015

Angesehen 2015

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Thematische Kunstausstellung zeitgenössischer Positionen
im Basler Münster
25. November 2015

mit Werken von
Flurina Badel & Jérémie Sarbach, Françoise Caraco, Katja Dormann, Daniel Göttin, île flottante I Nica Giuliani & Andrea Gsell, Denise Kratzer, Gerda Maise, Alexandra Meyer & Chris Hunter, Sebastian Mundwiler, Bianca Pedrina,
Andreas Schneider, Ursula Sprecher & Andi Cortellini, Michel Winte

Alexandra Meyer & Chris Hunter: FIGURINE, 2015 07/11/2015

Installationsansicht:
Alexandra Meyer & Chris Hunter: FIGURINE, 2015

Alexandra Meyer & Chris Hunter
Figurine
2015

Video-Performance, 5 Min Loop, Masse: variabel
Videoprojektion

Nein, bei figurine handelt sich nicht um eine Fotografie, auch wenn vordergründig der Eindruck entsteht, als posiere da ein frischvermähltes Paar für das offizielle Hochzeitsfoto. Meyer und Hunter haben sich für ihr Werk in ein überaus klassisches und perfektes Brautpaar verwandelt und inszenieren sich nahezu regungslos – und dies während ganzen fünf Minuten – als dekoratives Figurenpaar auf einer Hochzeitstorte. Der Film wird in einer Endlosschleife gezeigt und referiert so formal auf den Wunsch an eine bis zum Tod andauernde gemeinsame Lebens- und Liebesbeziehung. Doch ist die Hochzeitstorte schon von beiden zerstört worden und sie selbst erscheinen in den nicht stimmigen Grössenverhältnissen wie eine aufgeblasene Fata Morgana.

In dieser Arbeit wird auf verschiedenen Ebenen die Bedeutung von Tradition, vom ewigen Bund der Ehe, von gesellschaftlichen Rollenmustern und -erwartungen und intimen Wünschen angesprochen sowie mit dem ironischen Unterton, der den Reiz der Arbeit ausmacht, auch kritisch hinterfragt. Da es sich beim dargestellten Paar um Alexandra Meyer und Chris Hunter selbst handelt, verweisen sie zusätzlich auf die komplexe Beziehung, die zwischen Kunstschaffenden besteht, die Kunstwerke gemeinsam konzipieren und umsetzen. Für ANGE(SE)HEN. GESICHTER EINER STADT wurde das schon bestehende Werk ausgewählt und parallel zur Längsachse des Seitenschiffs positioniert. Durch diesen kuratorischen Entscheid kann es hier auch als Randnotiz zu einer traditionellen Hochzeit gesehen werden, bei der das Brautpaar durch den Mittelgang des Hauptschiffes schreitet.

Alexandra Meyer (*1984) und Chris Hunter (*1983) leben beide in Basel.
Sie arbeiten immer wieder in Performances und Videoarbeiten zusammen und
verfolgen gleichzeitig unabhängig voneinander ihre eigenen künstlerischen
Karrieren.

www.alexandrameyer.ch
www.chrishunter.ch

Andreas Schneider: CONTINUUM, 2015 06/11/2015

Installationsansicht:
Andreas Schneider: CONTINUUM, 2015

Andreas Schneider
continuum
2015

Schaumstoff, 3,75 × 3,75 × 1,30 m
Installation

Andreas Schneider hebt in seiner installativen Skulptur continuum ein unscheinbares Detail aus dem Basler Stadtbild hervor. Indem er dieses um ein Vielfaches vergrössert und in einem Material darstellt, das in seiner Ästhetik, Haptik und Funktionalität einem ganz anderen Bereich zugeordnet ist, schafft er ein abstraktes Zeichen. Besagtes Detail, das er aus seinem ursprünglichen Gefüge ausgeschnitten zeigt, findet man am schmiedeeisernen Geländer, das die Basler Rheinpromenaden zum Fluss hin begrenzt. Es fokussiert auf die Verbindungsstelle zwischen vertikalem Pfosten und horizontal verlaufendem Mittelsteg dieser Geländer. Dieser ‹Knotenpunkt› ist ein überaus ästhetisches Beispiel der Schmiedekunst, die mit ihren fachspezifischen Mitteln die metallenen Elemente des Geländers formschlüssig miteinander verbindet, ohne dass Brüche entstehen oder für das Zusammenfügen eine weitere Montage benötigt wird.

Der Titel continuum – also ein kontinuierlich, lückenlos Zusammenhängendes – legt verschiedenste Fährten für Interpretationen aus. Hervorgehoben sei hier im Kontext der Ausstellung, wie sowohl pragmatisch geschaffene Elemente als auch kunstvoll gestaltete Bauten die Bewohner einer Stadt kontinuierlich und unbewusst leiten und eine Identität und Zusammengehörigkeit einer Stadt schaffen.

Der Basler Künstler Andreas Schneider (*1969) nimmt in seinen skulpturalen und installativen Arbeiten Bezug auf die Eigenheiten des Ortes, deren Geschichte, Nutzung und architektonische Besonderheiten. In seinen ortsspezifischen Werken hebt er Verborgenes, Vergessenes oder Ignoriertes hervor.

www.andreasschneider.name

Michel Winterberg: ANGESEHEN, 2015 05/11/2015

Installationsansicht:
Michel Winterberg: ANGESEHEN, 2015

Michel Winterberg
Angesehen
2015

Röhrenmonitor, Tracking-System
Interaktive Videoinstallation

In Angesehen blickt ein grosses Auge aus einem Röhrenmonitor auf die sich in der Nähe befindenden Besucher und folgt ihnen, wenn sie sich im Raum bewegen. Dieser körperlose Blick eines menschlichen Auges ist irritierend. Man fühlt sich angeblickt und weiss doch, dass man nicht gesehen wird. Trotzdem gelingt es nicht vollständig, sich dem Gefühl zu entziehen, ausgeliefert, erkannt und durchschaut zu sein. Erst durch überlegtes eigenes Handeln kann man der Macht dieses Blickes entkommen und den Spiess sozusagen umdrehen: Tatsächlich ist dieses Auge reines Objekt, dessen Steuerung wir durch unser Handeln beeinflussen können. So kann ein wechselseitiges Spiel zwischen Kunstwerk und Betrachter entstehen, in dem eine klare Rollenzuordnung von Objekt und Subjekt immer wieder unterlaufen wird. Dies funktioniert aber nur dann, wenn man sich alleine vor dem Werk befindet. Ist das Auge mit einer Gruppe konfrontiert, springt der Blick von einem zum anderen, alle fühlen sich immer wieder erblickt. Als Einzelner kann man dieser Dynamik nur durch ein Sich-Entziehen entkommen.

In seiner Arbeit thematisiert Winterberg die Erfahrung des Erblicktwerdens, die grundlegend ist für die menschliche Existenz und die Konstitution des eigenen Selbst. Als Mensch in der Welt ist man auf ein Gegenüber angewiesen, das einem von klein auf Feedback gibt und die eigene Existenz bestätigt. Angesehen referiert aber auch auf die heutige, flächendeckende Beobachtung der Gesellschaft: Unzählige Überwachungskameras und Webcams nehmen kontinuierlich im öffentlichen Raum auf. Ob und von wem man tatsächlich gesehen wird, kann der Einzelne nicht überprüfen. Auch kann nicht eingeschätzt werden, ob dieses Angesehen-Werden dem Schutz oder der Kontrolle dient. Durch seine Platzierung im Kirchenraum erfährt Angesehen eine zusätzliche Aufladung in Bezug zum «Allsehenden Auge» oder «Auge der Vorsehung».

Michel Winterberg (*1972) lebt in Basel und arbeitet bevorzugt mit interaktiven audiovisuellen Installationen. Er programmiert Echtzeitentwicklungsumgebungen
und Physical Computing, zudem produziert er elektronische Musik und entwickelt Sound Designs. Er ist technischer Leiter des HeK in Basel.

www.michelwinterberg.ch

Katja Dormann FAHRT 3, PASSAGE 2, FAHRT 4 2014 04/11/2015

Katja Dormann
Fahrt 3, Passage 2, Fahrt 4
2014

Acryl auf Leinwand, 140 × 120 cm, 140 × 100 cm, 140 × 120 cm
Gemäldeinstallation

In ihren Gemälden stellt Katja Dormann Menschen in deren alltäglicher Umgebung im öffentlichen und anonymen Raum dar. Sie zeigt sie in einer an Schnappschüsse erinnernden Weise beim Gehen, Stehen, Fahren oder Schauen. Aus dem Stadtbild gleich einer Momentaufnahme herausgelöst, hebt die Malerin mit präziser Pinselführung die individuelle Körpersprache und Ausstrahlung der Einzelnen hervor und zeigt sie gleichzeitig als Teile eines bewegten Gefüges. Die drei in der Ausstellung zu sehenden Gemälde zeigen exemplarisch, wie es der Künstlerin gelingt, die typische Umgebung oder Stimmung eines Ortes mit wenigen Elementen charakteristisch darzustellen. Für diejenigen, die den Ort kennen – bei Fahrt 3, Passage 2, Fahrt 4 handelt es sich um den Basler Bahnhof SBB –, kann sich ein Déjà-vu einstellen: Man hat das Gefühl, als wäre man selbst schon einmal Beobachter genau dieser Szene gewesen. Die Bilder Dormanns offenbaren deshalb auch, dass sich ein Stadtort erst zusammen mit den Menschen, die dort einander begegnen, als der Ort definiert, der er ist und als der er wahrgenommen wird.

Durch die Art der Hängung der drei Gemälde entsteht beim Ankommen im Hochchor ein Moment der Irritation, denn die Bilder wenden ihre ‹Gesichter› ab. Sie laden ein, den Chorumgang zu begehen. Dort kann man sie betrachten, einzig beleuchtet durch das Licht, das durch die farbigen Kirchenfenster, die ebenfalls figürliche Darstellungen zeigen, oder aus den Münsterleuchten strömt. Nimmt man diese Position ein, so eröffnen sich hinter den profanen Motiven Ansichten des Kirchenraums mit dessen wechselnden Lichtverhältnissen.

Katja Dormann (*1948) lebt und arbeitet in Basel. Die Künstlerin konnte sich erst
nach Beendigung ihrer beruflichen Tätigkeit als Psychiaterin ganz der Malerei
widmen. Ihre Werke zeigen ihr feines Gespür für das Individuum und dafür, wie
ein Mensch in seiner Würde und Ganzheit dargestellt werden kann.

www.katjadormann.ch

Flurina Badel & Jérémie Sarbach: OHNE TITEL (LITHIFIED GLOW II), 03/11/2015

Flurina Badel & Jérémie Sarbach
OHNE TITEL (LITHIFIED GLOW II)
2015

Foto-Print (200 × 110 cm), HD-Video 18 Min Loop, Ton
Installation

Für ihre Installation OHNE TITEL (LITHIFIED GLOW II) schöpfen Badel & Sarbach aus diversen Materialien, die während einer mehrstündigen Ganzkörper-
Kernspintomographie entstanden sind. Hunderte von Körperschnitten des engumschlungenen und reglos in der Untersuchungsröhre liegenden Paares wurden generiert. Der Foto-Print zeigt eines dieser Schnittbilder nachbearbeitet und in Körpergrösse ausgedruckt. Als zentrales Element ihrer Installation legen Badel & Sarbach dieses Innenbild auf eine Grabplatte der Maria-Magdalena-Kapelle und fügen es in eine Reihe alter Grabplatten ein. Ihre lebendige Paarbeziehung wird im MRT-Bild zum memento mori, verweist auf Krankheit und Tod und knüpft im Kontext von Kapelle und Kreuzgang an die vielen Epitaphe an, die Ehepaaren gewidmet sind.

Die beiden anderen Elemente der Installation zeigen auditive und visuelle Aspekte der durchgeführten MRT-Untersuchung. Der Ton wurde aus den als eher unangenehm empfundenen, klopfenden Geräuschen des Tomographen erzeugt, die im Innern der Röhre zu hören sind. Als zusätzlichen objektiven Beobachter zum Diagnosegerät setzten die Künstler eine Kamera ein, die den Ablauf der Untersuchung von aussen aufnahm. Der daraus entstandene Film legt das ganze Untersuchungssetting offen: den Raum der Radiologie, die am Computer arbeitende medizinisch-technische Assistentin, den Bildschirm mit dem Verlauf der Aufnahmen sowie die Künstler in ihrer Rolle als ‹Gegenstand› der Untersuchung. Durch diese Offenlegung wird umso deutlicher, was alles verborgen bleibt: Unsichtbar wirken die starken Magnetfelder und Radiowellen, während in einer Black Box der Prozess des bildgebenden Verfahrens abläuft.
(Mit Dank an die Merian Iselin Klinik, Basel)

2014 begannen Flurina Badel (*1983) und Jérémie Sarbach (*1991) ihre Zusammenarbeit als Künstlerpaar mit der selbst kuratierten Ausstellungsreihe
Our Bedroom. Sie leben und arbeiten in Basel. Medienübergreifend und an der Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt beschäftigen sie sich mit den Themenbereichen Landschaft und Berge, Herkunft und Zugehörigkeit sowie Kommunikation und Technologie.

www.badelsarbach.ch

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Rittergasse 3
Basel
4051

Öffnungszeiten

Montag 11:00 - 20:00
Dienstag 11:00 - 20:00
Mittwoch 11:00 - 20:00
Donnerstag 11:00 - 20:00
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Sonntag 11:30 - 17:00